„Are you man enough to be woman?“

Jonas Engelmann – 07. Dezember 2009 – 20Uhr
(wurde aufgrund von Krankheit von Martin Büsser übernommen)

Geschlechterverhältnisse im Emo

Emo wird derzeit so kontrovers diskutiert wie keine andere Jugendkultur, zieht Unverständnis, Ablehnung oder sogar Massenangriffe nach sich. Doch was genau hinter diesem Phänomen steckt, ist bislang noch wenig untersucht, was auch mit der ungeklärten Frage zu tun hat: Was ist Emo eigentlich? Es gibt mindestens zwei Emo: zum einen die so genannte Musik – wenn auch viele der darunter subsumierten MusikerInnen dieses Label von sich weisen – und zum anderen die Jugendkultur – wenn auch viele der darunter subsumierten Jugendlichen dieses Label von sich weisen. Beide Ausprägungen scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemein zu haben, doch schaut man genauer hin, so finden sich zumindest in der Ablehnung von Emo viele Gemeinsamkeiten: die Emos der 1980er-Jahre versuchten der Homophobie und der Gewalt in der Hardcore-Szene etwas entgegenzusetzen und wurden danach mit dem Vorwurf konfrontiert, Hardcore zu verweichlichen, „unmännlich“ zu machen. Heute werden Emos verprügelt und angefeindet, weil sie nicht die gesellschaftlichen Erwartungen an ihre Geschlechterrolle erfüllen.

Allein dies rechtfertigt ein genaueres Hinsehen: Was motiviert Jugendliche, sich für den Bruch mit normativen Geschlechterrollen verprügeln zu lassen? Und was steckt hinter diesem Hass, welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben dazu geführt – denn dass es einmal anders war, Androgynität sogar zum Rolemodel taugte, beweisen etwa Bands der 1980er-Jahre wie Soft Cell, Wham! oder Cuklture Club, ganz zu schweigen von David Bowie oder Roxy Music noch einmal ein paar Jahre früher. Und hatten nicht sogar Blur noch in den 1990ern einen Chartserfolg mit: „Girls who are boys, who like boys to be girls, who do boys like they’re girls, who do girls like they’re boys, should always be someone you really love.“
Der Vortrag will einerseits in das Phänomen Emo einführen und dabei die Parallelen der Musik- wie der Jugendkultur aufzeigen, gleichzeitig aber auch kritisch die Frage stellen, ob Emo tatsächlich eine ernstzunehmende Rebellion gegen traditionelle Geschlechterrollen darstellt, denn, so scheint es, konzentriert sich die Rezeption – sowohl medial wie auch gesellschaftlich – wieder einmal in erster Linie auf die männlichen Jugendlichen, Frauen fallen aus dem Fokus der Aufmerksamkeit.

Jonas Engelmann ist Redakteur der Zeitschrift „testcard“. Er studierte in Mainz Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Politikwissenschaft und promoviert zu selbstreflexiven Comics.
Er ist zusammen mit Martin Büsser, Jana Nowack und Ingo Rüdiger Herausgeber des aktuell erscheinenden Readers „Emo: Porträt einer Szene“.

Links:
„Darum Israel“ (via jungle world 19/2008)


1 Antwort auf „„Are you man enough to be woman?““


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