Postmoderne Seinslehre

Florian Ruttner & Alex Gruber – 08. Februar 2010 – 20Uhr

Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik
 
Der Poststrukturalismus postuliert eine durch die Differenz bzw. den Anderen konstituierte „Nichtfreiheit am Ursprung unserer selbst“ (Judith Butler), welche die Kategorie des Subjekts als Halluzination ausweise, die ihrem wohlverdienten Tod zuzuführen sei. So grotesk ein Denken ist, das von sich selbst behauptet, die Überwindung metaphysischen Philosophierens zu sein, von vor-ontologischen Beziehungen zu sprechen, die den ontologischen “den narrativen“ vorausgehen und den Menschen in seiner „Eigentlichkeit“ prägen, so aberwitzig ist es, wenn dieses Denken, das mit Foucault gegen den „marxistischen Humanismus“ und dessen Vorstellung eines von seinem „eigentlichen Wesen“ entfremdeten Menschen angeht, den Tod einer „falschen“ Subjektivität fordert, weil diese der Dezentriertheit am „Ursprung unserer selbst“ nicht gerecht wird. Die metaphysische Spitzfindigkeit und die theologischen Mucken, von denen die Kategorien der poststrukturalistischen Theoriebildung geprägt sind, bilden den Inhalt dieses Vortrags.


3 Antworten auf „Postmoderne Seinslehre“


  1. 1 florian 15. Januar 2010 um 19:31 Uhr

    Wer von „Subjekten“ schreibt, geht weit an Marx und marxistischen Theorien und Praxen vorbei. In diesen Theorien und Praxen werden Menschen – Du und ich –, werden unsere Bedürfnisse in den Mittelpunkt gerückt – nicht „Subjekte“. Da wo Deine, meine, unsere Bedürfnisse thematisiert werden und Du und ich, wir uns nicht mehr mit Waren, Kategorien, Institutionen (wie u.a. Geschlecht) erschöpfend beschrieben sehen, kommen wir gut bei Marx, bei Marxismen an und treffen uns dort geradzu hervorragend mit Poststrukturalismus.

    Übrigens: Butler, Foucault, Derrida waren wesentlich weniger kritisch zu Marx und marxistischen Theorien und Praxen, als es derzeit im deutschsprachigen Raum eingeredet wird. Zur Lektüre empfehle ich Derrida: „Marx‘ Gespenster“ und – wenn wir schon dabei sind – Goytisolo: „Die Marx-Saga“.

    Also: Wir sollten vielleicht nicht weiter plump aufeinander rumhacken, sondern miteinander diese Gesellschaft verändern, damit sie Dir, mir, uns passt – und nicht wir zu ihr.

  2. 2 Franziska 06. Februar 2010 um 15:31 Uhr

    ich wünsche mir auch einen produktiven statt polemischen abend! bin aber guter hoffnung. denn ankündigungstexte müssen immer ein bisschen dick auftragen… diese reihe wollte zu einer auseinandersetzung beitragen, anstatt sich einseitig auf eine richtung einzuschießen, deshalb auch diese letzte veranstaltung. wer also was mit poststrukturalistischer denke anfangen kann und dabei auch offen für kritik an den theorien ist, der sollte montag abend ins wagner spazieren! schöne grüße

  1. 1 Aktuelles zur Reihe « „Wann hört Macht auf? Hier fängt Macht an. Lass uns nicht von Sex reden.“ Pingback am 19. Oktober 2009 um 21:38 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.